Stuttgarter Zeitung: Von  

Beim Narrengericht drückt sich Ulrich Vonderheid ums OB-Thema, wirbt aber schon um Sympathien.

Kandidiert er nun als OB oder nicht? Ulrich Vonderheid hüllt sich in Schweigen und sammelt stattdessen lieber Münzen.Foto: factum/Granville

Leonberg – Da strahlt der Angeklagte. Mit einer schwarzen Mütze in der Hand geht er durch die Zuschauerreihen im Leo-Center und sammelt Geld ein. Das ist ein Teil der Strafe, die ihm das närrische Gericht soeben aufgebrummt hat.

 Für Ulrich Vonderheid ist das ein nahezu maßgeschneidertes Urteil. Ausgestattet mit dunkler Jacke und Zylinder mischt sich der Erste Bürgermeister bittend unters Volk. Und die Leute geben. In der Mütze sind viele Münzen wie auch Scheine.

Bereits zum zweiten Mal steht der OB-Stellvertreter vor dem Narrengericht, das der Erste Karnevalverein Leonberg alljährlich am Fasnetssamstag im Leo-Center abhält. Bei seiner ersten Verhandlung vor sieben Jahren war Vonder-heid relativ neu und dritter Mann in der Verwaltungsspitze. Mittlerweile ist er auf Platz zwei vorgerückt und will bei der OB-Wahl im September endgültig auf den Chefsessel .

Zumindest wurde er in der Kundenzeitung des Leo-Centers als OB-Kandidat vorgestellt (wir berichteten). Dem widersprochen hat er nicht. Wer nun aber geglaubt hat, der joviale Südhesse würde die Narrenbühne nutzen, um seine Ambitionen zu untermauern, der sieht sich getäuscht. „Die Wahrheit muss nun schnell heraus“, verlangt die närrische Richterin Monika Raffler. Doch der Angeklagte bleibt hart: „Ja, mir macht die Arbeit Spaß. Will bewegen, keinen Hass. In welchem Amt es sei auch immer. Stillstand, den will ich nimmer.“ Mehr sagt er nicht. Die Präsidentin des Karnevalvereins hakt nicht nach.

OB-Kandidatur: Vonderheid schweigt eisern

Auch andere brisante Themen, etwa das Chaos bei der Übernahme der Altstadt­tiefgarage oder der Umgang mit kritischen E-Mails, tauchen in der Anklage nicht auf.

So gerät das Spektakel in Leonbergs großem Shoppingzentrum am Samstagvormittag zur besten Einkaufszeit für Ulrich Vonderheid zur idealen Möglichkeit der Selbstdarstellung. Die Gugga-Musiker der Leo Valentinos machen gehörig Tamtam. Die Gardemädels und Tanzmariechen der Engelberger und der befreundeten Karnevalgesellschaft Contacter aus Gerlingen sind Garanten für ein großes Publikum. Mittendrin der Mann, der offensichtlich mitten im Wahlkampf ist, dies aber verschweigt.

Da schadet es auch nicht, dass sich Vonderheid als FC Bayern-Fan zu erkennen gibt. Denn: „Im Fußball ist’s wie in der Liebe. Mal gibt’s Jubel, mal gibt’s Hiebe. Als Frohnatur lieb’ ich das Jubeln sehr. Hätte ich die Freud an Herzesweh, wär’ ich Fan vom VfB.“ Da sind die Dauer-Meister aus München schon die bessere Wahl.

Vonderheid hat keine Parteifans an seiner Seite

Unmutsbekundungen im Publikum bleiben aus. Richtig große Beifallsbekundungen aber auch. Der närrische Schlagabtausch wird mit Höflichkeitsapplaus bedacht.

Das mag mit daran liegen, dass Ulrich Vonderheid keine Parteifans im Rücken hat. Normalerweise ist es üblich, dass Politpromis, die in närrischen Gefilden unterwegs sind, sich des Beifalls ihrer eigenen Leute sicher sein können. Doch CDU-Aktive sind im Leo-Center kaum auszumachen. Allein die Stadträtin Gabriele Ludmann ist im Publikum. So richtig erwärmen kann sie sich an den Darbietungen aber erkennbar nicht.

So deutet auch nach diesem Fasnetssamstag vieles darauf hin, dass Vonderheid eine Kandidatur als One-Man-Show betreiben würde, womöglich gar gegen einen offiziell von der CDU entsandten Mitbewerber.

Im Moment ist politische Konkurrenz aber nicht in Sicht. Und so revanchiert sich der Bürgermeister nach dem Sammeln mit dem Verschenken: Gemeinsam mit dem Centermanager Klaus-Peter Regler verteilt er Freiwein ans Volk. Auch das bringt Sympathien.

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Von einem Wahlkampf, der verschwiegen wird